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Zero Trust

Zero Trust ist kein Produkt.

Der Grundgedanke ist einfach: Ob jemand Zugriff bekommt, darf nicht davon abhängen, wo er sich befindet. „Im Büronetz“ ist kein Ausweis. Entschieden wird anhand der Person, ihres Geräts und dessen, was sie gerade tun will.

Was Zero Trust nicht ist

Es ist kein Produkt. Niemand kann Ihnen Zero Trust verkaufen, auch wenn der Aufkleber auf mancher Firewall etwas anderes suggeriert. Es ist auch kein Zustand, den man einmal erreicht und abhakt, sondern eine Art, Zugriffe zu entscheiden — die man Schritt für Schritt einführt. Der Nutzen entsteht bereits beim ersten Schritt; man muss nicht alles auf einmal umbauen.

Warum das gerade jetzt ansteht

Die Annahme, dass „drinnen“ vertrauenswürdig ist, hat schon vor Jahren aufgehört zu stimmen — spätestens als Arbeit im Homeoffice normal wurde und die halbe Firmensoftware im Browser läuft. Dazu kommt: Phishing-resistente Anmeldung ist inzwischen alltagstauglich und nicht mehr auf Konzerne beschränkt. Und NIS-2 fragt nicht mehr nur, ob Sie etwas tun, sondern ob Sie es nachweisen können.

Die Reihenfolge, die sich für KMU bewährt

Der häufigste Fehler ist, mit der Netzwerktechnik anzufangen — weil sie greifbar ist. Der Nutzen pro investierter Stunde ist aber ganz oben am größten. Diese Reihenfolge bringt den größten Teil des Schutzes in den ersten beiden Schritten:

  • 1. Ein Verzeichnis für alle Zugänge. Solange jede Anwendung ihre eigene Benutzerliste hat, weiß niemand, wer noch überall Zugriff hat. Anmeldung zentral, Austritt an einer Stelle.
  • 2. Zweiter Faktor überall — und zwar phishing-resistent. Passkeys statt SMS-Codes: Ein Passkey lässt sich nicht auf einer gefälschten Anmeldeseite abgreifen, ein Code schon.
  • 3. Administratorrechte entziehen. Wer täglich als Administrator arbeitet, gibt einem Angriff dieselben Rechte. Getrennte Konten für Verwaltungsaufgaben kosten nichts.
  • 4. Fernzugriff auf einzelne Anwendungen statt aufs ganze Netz. Damit ersetzt man die offene Tür, die ein VPN nach dem Einloggen darstellt.
  • 5. Protokollieren, wer wann worauf zugegriffen hat. Ohne das kann man nach einem Vorfall nicht sagen, was passiert ist — und genau danach wird gefragt.

Geräte gehören zur Entscheidung dazu

Die richtige Person am falschen Gerät ist immer noch ein Risiko. Es braucht dafür keine aufwendige Verwaltung: Es genügt zu wissen, ob das Gerät die Firma kennt, ob seine Festplatte verschlüsselt ist und ob es seine Updates bekommt. Der private Laptop, der einmal schnell auf die Buchhaltung zugreift, ist genau der Fall, den man ausschließen will.

Was das im Alltag verändert

Für die Belegschaft meist wenig — und das Wenige eher zum Angenehmen. Eine einzige Anmeldung statt sieben Passwörter, Anmeldung per Fingerabdruck statt Zeichenkette, und der Fernzugriff funktioniert ohne VPN-Client, der jeden zweiten Morgen klemmt. Der spürbare Unterschied betrifft Administratoren: Für Verwaltungsaufgaben ist ein zweiter Schritt nötig. Das ist der Punkt, an dem intern am meisten diskutiert wird — und der, der im Ernstfall am meisten verhindert.

Ein realistischer Zeitplan

Für einen Betrieb mit 20 bis 50 Leuten sind die ersten drei Schritte in wenigen Wochen machbar, meist nebenher. Der vierte Schritt ist der größte, weil er den Fernzugriff berührt und mit den Menschen abgestimmt sein will, die ihn täglich nutzen. Der fünfte läuft danach von selbst mit. Wer das in dieser Reihenfolge macht, hat nach dem zweiten Schritt bereits den Großteil der real vorkommenden Angriffe abgedeckt.

Ehrlich gesagt

Wo Sie nicht anfangen sollten

  • Bei einer Zero-Trust-Plattform. Die Werkzeuge, die Sie brauchen, stecken meist schon in dem, was Sie bezahlen.
  • Bei der Mikrosegmentierung einzelner Server. Wirksam, aber weit hinten in der Reihenfolge.
  • Bei einem Projekt mit Enddatum. Es ist eine Reihenfolge, keine Einführung.
  • Bei der Technik. Fangen Sie bei der Frage an, wer heute worauf zugreifen kann — die Antwort überrascht in den meisten Betrieben.
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Was Betriebe uns dazu fragen

Ist das nicht etwas für Konzerne?

Der Begriff kommt von dort, die Bausteine sind aber längst in Produkten enthalten, die kleine Betriebe ohnehin einsetzen. Was fehlt, ist selten die Software — es ist die Entscheidung, sie einzuschalten, und jemand, der die Reihenfolge kennt.

Wir haben doch ein VPN. Ist das nicht dasselbe?

Nein, eher das Gegenteil. Ein VPN prüft einmal am Eingang und lässt Sie danach ins Netz. Zero Trust prüft bei jedem Zugriff und lässt Sie nur zu der einen Anwendung. Wird ein VPN-Zugang übernommen, ist der Angreifer im Netz; wird ein Anwendungszugriff übernommen, ist er in einer Anwendung.

Was bringt der erste Schritt allein?

Sehr viel. Phishing-resistente Anmeldung verhindert die häufigste Angriffsform überhaupt — den gestohlenen Zugang. Wenn Sie nur eine Sache tun, dann diese.

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